Ästhetische Konzepte der Romantik

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Die Hauptthemen der Romantik sind das Gefühl, die Leidenschaft, die Individualität sowie die Seele, insbesondere die gequälte Seele. Die Romantik entstand als eine Reaktion auf die vernunftgerichtete Philosophie der Aufklärung und auf die Strenge des von der Antike abgeleiteten Klassizismus. Im Vordergrund stehen Empfindungen wie Sehnsucht, Mysterium und Geheimnis. Diese Elemente sind ausschlaggebend für die romantische Kunst und die entsprechende Lebenseinstellung.

Die Romantiker nehmen die Welt als gespalten wahr, in die Welt der Vernunft und die Welt des Gefühls und des Wunderbaren. In ihnen entstand eine unendliche Sehnsucht nach der Heilung der Welt, nach dem ursprünglichen, allesumfassenden Zustand der Harmonie.

Die Dichter der Romantik sahen ihre Aufgabe darin, die Welt in diesen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen und eine Möglichkeit dazu bot ihnen die Kunst. Um ihre Aufgabe zu verwirklichen, entwickelten sie verschiedene ästhetische Konzepte, welche sie vor allem in der Literatur zum Ausdruck brachten.

Inhaltsverzeichnis

Friedrich Schlegel: Die Progressive Universalpoesie

Friedrich Schlegel prägte als Literaturtheoretiker und -kritiker in der Romantik den Begriff der Progressiven Universalpoesie. Darunter versteht er eine romantische Art von Literatur, welche sämtliche literarische Gattungen, also Formen der Lyrik, des Dramas und der Prosa in sich vereint, genauso wie die Verschmelzung der verschiedenen Künste. Synästhetisch sollen alle Sinne angesprochen werden und es entsteht eine enge Verbindung zwischen Traum und Wirklichkeit, der Poesie und dem wahren Leben.

Es sollten nun nicht mehr wie in der Klassik bestimmte Schemata für die Erschaffung eines literarischen Werkes erfüllt sein, sondern man betrachtete den Künstler als ein frei schaffendes Genie. Die Regelpoetik und die Forderungen der drei aristotelischen Einheiten von Raum, Zeit und Handlung verloren somit auch an Bedeutung.

Progressiv ist die Universalpoesie, da sie für immer unvollendet bleibt und ewig im Werden ist. Deshalb spielt das Fragment, ein unfertiges Stück Literatur, auch eine große Rolle in romantischen Werken. Schlegel wollte damit den Werdensprozess der Dichtung betonen und meinte, dass der unvollendete Zustand der Willkür und Freiheit des Dichters unterliege.

Novalis: Die Romantisierung der Welt

In Zusammenarbeit mit Friedrich Schlegel entwickelte Novalis das Fragment zu einer spezifisch romantischen literarischen Kunstform. Sein literarisches Werk zeichnet ein Streben nach der Romantisierung der Welt aus, sowie die Suche nach einer Verbindung der Wissenschaft mit der Poesie.

Um die Welt zu romantisieren sollte man "dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein" in Wechselerhöhungen und -erniedrigungen geben.

Das Ergebnis sollte die Progressive Universalpoesie sein.

E.T.A. Hoffmann: Poesie als Himmelsleiter

E.T.A. Hoffmann

Hinsichtlich des Realitätsbezugs von Märchen und anderen fantastischen Stücken gibt es in der Früh- und Spätromantik geteilte Meinungen. So unterscheidet sich Schlegels oder Novalis’ Ansicht, wie oder ob die Fantasiewelt mit der Gegenwart verknüpft werden muss, grundlegend von E.T.A. Hoffmanns Auffassung.

Novalis schreibt: „Die Welt der Märchen ist die durchaus entgegengesetzte Welt der Welt der Wahrheit (...)“. Die Fantasiewelt hat bei Novalis demzufolge keinen Realitätsbezug. Dem Leser ist es somit möglich, sich zeitweilig der Realität zu entziehen und in eine Welt der Fantasie zu flüchten. Der Poesie des Fantastischen, beeinflusst vor allem durch die Willkür des Dichters, sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

Heinrich Heine äußert sich über die unterschiedlichen Kunstauffassungen Hoffmanns und Novalis’ wie folgt: „... Letzterer, mit seinen idealischen Gebilden, schwebte immer in der blauen Luft, während Hoffmann, mit allen seinen bizarren Fratzen, sich doch immer an der irdischen Realität festklammert.“

Der Realitätsbezug ist bei Hoffmann in nahezu all seinen fantastischen Erzählungen vorhanden; diese spielen meist sogar in einer spießbürgerlichen Kleinwelt. Besonders deutlich wird diese Verknüpfung von Realität und Fantasiewelt in Hoffmanns romantischer Novelle Der Goldene Topf.

In einem seiner Hauptwerke, Die Serapionsbrüder, wird ausführlich beschrieben, in welcher Relation Realität und Fantasiewelt zueinander stehen sollten. Dabei wird die Kunstauffassung der Frühromantik, das Fantastische müsse eine Gegenwelt zur Realität bilden, heftig kritisiert. „Die Sitten des Morgenlandes nur eben berührend, schuf man sich eine Welt, die haltlos in den Lüften schwebte und vor unseren Augen verschwamm. Deshalb gerieten aber jene Märchen meistens frostig, gleichgültig und vermochten nicht den inneren Geist zu entzünden und die Fantasie anzuregen.“

Um den inneren Geist des Lesers zu entzünden, müsse das Märchenhafte mit dem realen Leben verknüpft werden; das Fantastische solle eine Ergänzung und keine Gegenwelt darstellen. In diesem Zusammenhang spricht Theodor, einer der Serapionsbrüder, von der Poesie als Himmelsleiter, welche die fantastische mit der realen Welt verbinde. Der Leser könne diese Himmelsleiter hinaufklettern und erlange somit Zugang zur Fantasiewelt. Nur, wenn der Leser die Stufen der Himmelsleiter hinaufsteige, „wird er glauben, dies Reich gehöre auch noch in sein Leben hinein und sei eigentlich der wunderbar herrlichste Teil desselben."

Da der Leser selbst durch das Prinzip der Himmelsleiter mit dem Fantastischen in Berührung komme, werde vermieden, dass das Märchen frostig oder gleichgültig gerät.

Das Konzept der kindlichen Reinheit

Das Konzept der kindlichen Reinheit

Das Konzept der Kindheit unterscheidet sich in der Romantik stark von der Sichtweise der Aufklärung, in der Kinderliteratur oftmals die Pädagogisierung der Kinder zum Ziel hatte. Bereits im Sturm und Drang distanzierte man sich von den Vorstellungen der Aufklärung, das Kind müsse streng erzogen werden. Deshalb lässt sich dieser Ansatz durchaus mit dem romantischen Konzept der der kindlichen Reinheit vergleichen. Der Kindheitsmythos wird beispielsweise in Johann Wolfgang von Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werthers thematisiert. So berichtet Werther in zahlreichen Briefen über seine Begegnungen mit Kindern; er bezeichnet diese sogar als „Keime aller Tugenden“ (Brief vom 29. Junius). Vor allem Lottes Geschwister scheinen ihn zu faszinieren.

In der Romantik gewinnt das Ideal der kindlichen Reinheit besonders in den späteren Jahren an Bedeutung.

Häufiges Auftreten von Märchen und Sagen war durchaus auf das Konzept der Kindheit zurückzuführen. In diesem Zusammenhang entstanden zahlreiche Kunstmärchen. Das Kunstmärchen ist eine Abwandlung des Volksmärchen, ersteres literarisch deutlich anspruchsvoller, umfassender und Werk eines namenhaften Autors.

In fantastischen Erzählungen und Märchen spielten Kinder durchaus eine aktive Rolle. Zur Zeit der Romantik waren sie Sinnbild für das Ursprüngliche, Ungezwungene und die Vollkommenheit. Ebenfalls zu den kindlichen Idealen zählte die Unschuld, der Müßiggang und das Spielen, auf die vor allem Schlegel und Novalis Bezug nahmen.

Johann Ludwig Tieck äußert sich ebenfalls zum Ideal der kindlichen Reinheit, indem er sagt: "(...) durch keine Zeiten und Räume können wir von ihm (dem Lebensgrund) getrennt sein, wenn unser Sinn nur unbefangen und kindlich genug ist, um ihm entgegenzukommen."

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