Der Goldene Topf

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"Der Goldene Topf" wurde 1813 von E.T.A. Hoffmann geschrieben.
Alle Zeilenangaben sind dem Buch "Der Goldene Topf", das 2004 bei Reclam erschienen ist entnommen

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsangabe

Als der tollpatschige Student Anselmus am Himmelfahrtstag in den Korb eines Apfelweibes rennt und ihr zur Wiedergutmachung sein Geldbeutel geben muss, hat er nicht mehr genug Geld um an den bürgerlichen Fetslichkeiten dieses Tages teilzunehmen. Resigniert setzt er sich Abends unter einen Holunderbusch, wo ihm ein Schlänglein mit wunderschönen braunen Augen erscheint, in das er sich sofort verliebt.
Später trifft er sich mit seinem Freund Konrektor Paulmann und dessen Tochter Veronika, die wegen seinen Aussichten auf die Stelle als Hofrat ein Auge auf Anselmus geworfen hat. So lernt er auch Registrator Heerbrand kenn und diser hilft ihm eine Stelle als Kopierer bei dem verschrobenen Archivarius Lindhorst zu beschaffen. Als er seiner Arbeit in dem wundersamen Haus des Archvarius nachgeht, trifft er auf seine geliebte Schlange, Serpentina. Sie erzählt ihm, dass sie die Tochter des Archvarius ist, der eigentlich ein Feuersalamander aus Atlantis ist (ihre Mutter ist eine Feuerlilie). Wegen seinen Untaten, die er in mythischer Vorzeit begangen hat, sei er aus dem Schloss in die bürgerliche Welt verbannt worden und dürfe erst zurück kommen, wenn seine drei Töchter verheiratet wären. Anselmus schwört Serpentina ewige Liebe und mit ihrer Hilfe schafft er es seine anspruchsvolle Arbeit zu meistern.
Derweil verbündet sich Veronika mit dem Apfelweib, der Widersacherin des Archivarius, die den goldenen Topf, die Mitgift Serpentinas, durch die man Atlantis erreichen kann, für sich beanspruchen will. Zusammen schmieden sie einen Spiegel, der Anselmus an Veronika binden soll. Durch seine "Scheinliebe" gefesselt und ohne die Unterstützung Serpentinas schafft dieser es jedoch nicht die schwieriegen Texte richtig zu kopieren. Nachdem er aus Versehen Tinte auf das Manuskript gekippt hat, findet er sich plötzlich in einem Kristall wieder. Während Anselmus eingesperrt ist, bezwingt Lindhorst das Apfelweib in einem heftigen Kampf und kann so Anselmus aus seinem Käfig befreien.
Anselmus entlschließt sich zusammen mit Serpentina nach Atlantis gehen und führt dort ein glückliches Leben mit ihr. Auch Veronika's Traum wird erfüllt, denn sie heiratet den zum Hofrat beförderten Registrator Heerbrand und führt das bürgerliche Leben, das sie sich gewünscht hat.


Entstehungsgeschichte/ historischer Kontext

Die Zeit um das Jahr 1813 war geprägt von großen Unruhen: auf der einen Seite stand der Anbruch einer "neuen Epoche" unmittelbar bevor; die Befreiung der Bauern aus der Abhängigkeit ihrer Gutsherren begann und traditionelles Handwerk wurde langsam zu industriellem Gewerbe transformiert. Dies hatte auch eine steigende Proletarisierung der Bevölkerung zur Folge. Überall in der Gesellschaft spürte man den bevorstehenden Umbruch zur Moderne; ein Gefühl das bei manchen auch Unsicherheit uns Angst hervorrief.
Auf der anderen Seite war der Schock über das Scheitern der Französischen Revoltuion noch tief im Beuwsstsein der Bevölkerung verankert. Die Befreiungskriege (1813-1815), die auf die Napoleonischen Kriege (1792-1806) folgten, begannen. Die Haptschauplätze dieser Schlacht waren in Deutschland vorallem Dresden und Leipzig.
Im Aprli 1813 tritt E.T.A. Hoffmann seine Stelle als Musikdirektor in Dresden an, wo Napoleon im August zum letzen Mal über die preußisch-russischen Verbündeten siegte. Die Franzosen besetzten die Stadt, es gab 40.000 Tote, Krankheit und Armut grassierten die Stadt.
Unter dem Einfluss dieser Umstände geht Hoffman zum ersten Mal nur seiner künstlerishcen Arbeit nach. Er schreibt auch den "goldenen Topf" in Dresden. Die Verarbeitung seiner Erfahrungen zeigt sich in seinem Buch vorallem in der Flucht ins Fantastische, dem ständigen Konflikt zwischen Philistern und in der Metapher "Fall ins Kristall" ´, die das Eingeengt-Sein durch die Beschleunigung der Moderne ausdrücken soll.


Aufbau

"Der goldene Topf" ist in 12. Vigilien eingeteilt und die Handlung, die sich zwischen einem Himmelfahrtstag und dem 4. Februar des darauf folgenden Jahres abspielt, beginnt in Dresden.
Vigilie bedeutet "Nachtwache" und spielt schon auf einen Grundkonflikt des Buches an: da es Künstlern schwer viel ihren Lebensunterhalt nur mit ihrer kreativen Arbeit zubestreiten, mussten sie oft tagsüber einem anderen Beruf nachgehen und dann in "Nachtwachen" ihre Werke verfassen.
Unter den Vigilien steht jedes Mal eine stichpunktartige Zusammenfassung des Kapitels. Diese erzählt den Inhalt jedoch nicht nach, sondern gibt eine Art fragmentarischen Ausblick auf das folgende Geschehen.
Im ganzen Buch sind drei verschiedene Erzählebenen erkennbar:

  1. Die Rahmenhandlung; also das Geschehen um Anselmus,Serpentina und Veronika und der Kmapf zwischen Lindhorst und dem Apfelweib
  2. Die fantastischen Erzählungen des Archvarius Lindhorst aus seinem früheren Leben in Atlantis und
  3. Die Ebene in der der Erzähler aus seiner Rolle heruastritt und sich selbst in den Fokus der Handlung rückt.

Die 3. Ebene wird jedoch erst in der 12. Vigilie vollständig aufgelöst, obwohl der Leser schon in vorangehenden Vigilien erste Anzeichen dieser Entwicklung spürt: so z.B. in der 4. Vigilie, in der der Erzähler den Leser direkt anspricht: "Wohl darf ich gradezu dich, günstiger Leser!" (S.28, Z.5). Diese (typisch) romantische Ironie findet in der Erklärung Anselmus ganzes Abenteuer sei nur eine Fantasie des Erzählers, der unter zu großem Alkoholeinfluss gestanden habe(vgl. Anfang 12. Vigilie) seinen Höhepunk.


Charaktere

Anselmus

Der junge Student ist eine zwiegespaltene Persönlichkeit: Auf der einen Seite ist er ein "normaler" Mensch, der zwar ungestüm aber auch gebildet ist. Er hat viele Freunde in der bürgerlichen Welt und mag die abendlichen Gesellschaften in den Kneipen Dresdens. Sein Handeln ist oft von dem Wunsch nach sozialer Intergration und beruflicher Anerkennung bestimmt.
Auf der anderen Seite ist er auch eine Art "Außenseiter", der in sich gekehrt und schüchtern ist. Durch seine Tollpatschigkeit wirkt er oft fehl am Platz. Auch seine altmodische Kleidung ist ein Indiz für eine Isolation von der Gesellscahft. Seine wahre Erfüllung findet er erst mit Serpentina als Poet in Atlantis. Wäherend des gesamten Buches ist Anselmmus hin- und hergerissen zwischen der bürgerlichen und fantastischen Welt; letztendlich entscheidet er sich jedoch für das Fantastische.

Veronika

Auch Veronika ist zu Anfang des Buches (vorallem durch ihre Liebe zu Anselmus) zwischen der bürgerlichen und der fantastischen Welt hin- und hergerissen; entscheidet sich am Ende jedoch für die bürgerliche Welt. Sie ist sehr pflichtbewusst und hilfsbereit, besonders gegenüber ihrem Vater. Im Grunde ist sie aber eher gefühllos: ihre Liebe zu Anselmus und später auch zum Registrator Heerbrand resultiert einzig und allein aus deren beruflichen Aussichten und Intelligenz. Die Motivation ihrer Handlung ist stets gesellschaftliche Anerkennung.


Serpentina

Die Schlange Serpentina ist die große Liebe von Anselmus und Repräsentantin der fantastischen Welt. Sie hilft Anselmus bei seiner Schreibarbeit im Hause des Archivarius und sie ist es auch die dem Stundenten die Geschichte ihres Vaters erzählt. Durch die Beschreib-Technik des Autor bleibt ihre Gestalt die ganze Gschichte über nicht greifbar und der Leser gewinnt den Eindruck sie unterstehe permantenten physikalische Veränderungen. Sie zieht Anselmus durch optische und akustische Reize, wie ihren Gesang oder den Ausdruck ihrer Augen in den Bann.


Konrektor Paulamnn und Registrator Heerbrand

Die beiden Repräsentanten der bürgerlichen Welt sind gute Freund evon Anselmus, die ihm oft mit Rat und Tat zur Seite stehen. Der Registrator verschafft ihm sogar seine Anstellung beim Archvarius Lindhorst. Doch während Heerbrand der fantastischen Welt nicht ganz abgeneigt ist und Anselmus seltsames Verhalten zu rechtfertigen sucht, ist der Konrektor Paulmann durch und durch Realist. Er sucht immer wieder Erklärungen wie übermäßigen Alkoholgenuss, Fieber oder Wahnsinn für die Gescehnisse und will Anselmus dementsprechend "heilen".


Archivarius Lindhorst

Er ist der Vater Serpentinas und muss für jede seiner Töchter einen Ehemann findne um nach Atlantis zurückkehren zu können. Er verfügt über große Zauberkräfte und hat, wenn auch nicht in dem selben Ausmaß wie seine Tochter, keine konstante Gestalt. Er ist ebenfalls ein Repräsentant der fantastischen Welt und sein größter Wunsch ist es dorthin zurück zu kehren. Das Apfelweib ist seine Gegenspielerin und versucht dies zu verhindern.


Realität und Traumwelt

Eines der Hauptmotive des Buches ist das Wechselspiel zwischen der fantastischen und der bürgerlichen Welt. Erstere hat ihren Ursprung im wundersamen Atlanitis und ihre wichtigsten Repräsentanten sind Archivarius Lindhorst und seine Töchter sowie das Apelweib. Konrektor Paulmann und Registrator Heerbrand stehen für das Bürgertum. Anselmus ist während der Handlung immer wieder zwischen beiden Seiten hin- und her-gerissen, entscheidet sich am Schluss jedoch für ein Leben in Atlantis, das mit einem Leben in Poesie gleichgesetzt wird und außerdem die einzige Möglichkeit ist sein Leben in Erfüllung zu verbringen.
Die fantastische Welt unterliegt ständigen Veränderungen und ist nicht greifbar für „normale“ Menschen. Das wird besonders in der 12. Vigilie deutlich, in der es dem Erzähler erst nicht gelingt einen angemessenen Schluss für sein Werk zu finden, da „alles Streben (vergebens blieb) (…) all die Herrlichkeiten von denen Anselmus umgeben, auch nur einigermaßen in Worten anzudeuten.“ (S. 96, Z.10.)
Dass die märchenhafte Welt kaum erfassbar und fast schon fragmentarisch wirkt, liegt an der ausschmückenden Erzählweise des Autors, wenn er sie beschreibt. Als Anselmus z.B. das erste Mal Serpentina trifft, schreibt Hoffmann nicht nur von ihrem Schlangenkörper und ihren blauen Augen, sondern auch vom Lebendigwerden der Natur um sich herum, welches Anselmus mit allen Sinnen erfährt.(Vgl. S.10 ab Z.8) Dadurch gewinnt der Leser das Gefühl, das Fantastische durchdringe alles, doch gleichzeitig wirkt es auch facettenreicher uns somit schwerer überschaubar.
Desweiteren verändert sich die fantastische Welt permanent. So ist der Archivarius, der eigentlich ein Salamander ist, in der bürgerlichen Welt scheinbar aber eine menschliche Gestalt annimmt, auch mal ein Feuerlillienbusch (Vgl. S.48 Z.34) oder ein Stoßgeier (Vgl. S.35 Z.7). Der stetige Wandel lässt sich auch gut an Anselmus Wahrnehmung des Gartens von Archivarius zeigen: anfänglich erkennt er nur die Bäume und Büsche, danach entdeckt er die weiten Gänge die sich durch den „Wald“ ziehen und erst am Ende seines ersten Aufenthalts bemerkt er die bunten Vögel, die ihn umflattern (Vgl. S.48). Nachdem er schon einige Male dort war, sieht er allmählich, „dass manche seltsamen Blüten (…) eigentlich in glänzenden Farben prunkende Insekten waren, die (…) durcheinander tanzend und wirbelnd sich (…) zu liebkosen schienen.“ (S.63, Z. 33 ff.)
Insgesamt wird die fantastische Welt nicht nur durch optische Sinneseindrücke sondern vor allem auch durch akustische und olfaktorische Reize beschrieben. Diese spielen auch beim Übergang von der bürgerlichen in die fantastische Welt eine große Rolle.
Anders als in den Erzählungen anderer romantischer Autoren und seinem poetologischen Konzept, dem Himmelsleiterprinzip, folgend, sind die beiden Welten Hoffmanns nicht getrennt, sondern existieren parallel nebeneinander. Sie sind wie durch einen unsichtbaren Vorhang abgegrenzt, den man nur ein kleines bisschen anheben muss, damit sie sich vermischen. Das Eindringen in die fantastische Welt, wird immer durch einen starken Sinneseindruck ausgelöst. So hört Anselmus zuerst ein „Geflüster und Geklingel“ (S. 9, Z. 25) bevor er Serpentina das erste Mal sieht, und auch als er sie auf der Bootsfahrt mit seinen bürgerlichen Freunden im Wasser entdeckt, nimmt er anfangs nur den Widerschein eines Feuerwerks im Wasser wahr (Vgl. S.14, Z. 22).
Diese Erzählweise sorgt auch dafür, dass die fantastische Welt dem Leser irrealer oder bezweifelbarer vorkommt, da ja auch immer einfache Sinnestäuschungen Grund für die Eindrücke sein könnten. Die bürgerlichen Freunde des Anselmus, besonders der Konrektor Paulmann, machen oft Wahnsinn oder Alkohol für dessen „Anfälle“ verantwortlich.


Konflikt zwischen Philistern und Künstlern

Ein weiteres Hauptmotiv des Buches ist der Konflikt zwischen Philistern und Künstlern, der seinen Ursprung in Hoffmans eigenen Leben hatte: Wie viele andere Künstler, konnte er seinen Lebensunterhalt nicht nur durch das Schreiben verdienen und war gezwungen tagsüber anderen Arbeiten nachzugehen. Die Romantiker forderten eine Verschmelzung von Leben, Gesellschaft und Poesie und damit einhergehend eine Autonomie des Künstlers, die sie den spießbürgerlichen Philstern entgegensetzten.
Zwar gibt es auch in der bürgerlichen Welt gewisse Freuden, wie z.B. Kneipenbesuche, Tanzabende mit Mädchen oder eine Bootsfahrt am Himmelfahrtstag, doch ist sie eher geprägt von Engstirnigkeit und Monotonie. So tut der Konrektor Paulmann alle Erlebnisse Anselmus als Wahnsinn oder Hirngespinste ab (Vgl. S.16, Z.5 f.). Selbst bei der Punschgesellschaft im Hause des Konrektors mit Anselmus und Registrator Heerbrand macht er allein den Alkohol für die seltsamen Geschehnisse verantwortlich (Vgl. S.89, Z. 25).
Generell scheinen die Philster regelrechte Angst vor der fantastischen Welt zu haben, was sich z.B. in dem Zurückschrecken der Mädchen aus Schreck vor den Anfällen des Anselmus auf der Bootstour (Vgl. S.15, Z.3) zeigt. Auch sonst sind die Reaktionen des Bürgertums auf Anselmus Verhalten sehr negativ. Eine Bürgersfrau erklärt „ er ist wohl nicht recht bei Troste“ (S.12, Z.6) und ein Mann gibt ihm den Rat: „Er zu viel ins Gläschen geguckt- (…) leg' Er sich aufs Ohr!“ (S.13, Z.7) nachdem beide ihn unter dem Holunderbusch beobachtet haben.
Auch das Eingesperrt-Sein in der gläsernen Flasche kann als Sinnbild für die Enge der bürgerlichen Welt gesehen werden: während Anselmus sein Gefängnis kaum ertragen kann, fällt den anderen Jünglingen nicht einmal auf, dass sie überhaupt eingesperrt sind (Vgl. S.83, Z. 29 ff.).
Desweiteren zählen in der bürgerlichen Welt Prestige und Titel sehr viel. Beispielsweise „schämte (Anselmus) sich sehr“ (S. 13, Z.8), als er aus seinem „Anfall“ unter dem Hollunderbusch aufwacht und bemerkt, dass er beobachtet wurde. Je stärker er jedoch an die Märchenwelt glaubt, desto mehr kann er sich von den bürgerlichen Fesseln befreien.
Die Wichtigkeit von Titeln wird allein schon in der Tatsache sichtbar, dass alle Männer statt mit einem Vornamen mit ihrem Amtstitel angesprochen werden (z.B. Registrator Heerbrand). Veronika, die sich im Verlauf des Buches immer mehr zum Philistertum hinwendet, möchte Anselmus nicht aus Liebe, sondern wegen seiner Aussicht auf die Stelle als Hofrat heiraten (Vgl. S. 38, Z. 22) und als das Amt von Heerbrand übernommen wird heiratet sie eben den.
Obwohl sich der Konflikt zwischen Philistern und Künstlern zumindest für Anselmus aufklärt, in dem er sich vollkommen für die fantastische Welt und damit für die Poesie entscheidet, wird er nicht für den Leser aufgelöst. Auch am Ende zeigt Hoffmann nicht eindeutig, ob dass Fantastische wirklich passiert ist oder nicht. Alle Geschehnisse können sowohl übermäßigem Alkoholgenuss oder Wahnsinn als auch Sinnestäuschungen gewesen sein, jedoch gibt es auch einige unumstößliche Beweise für die Existenz der fantastischen Welt, z.B. Veronikas nassen Mantel nach der Nacht des Aequinocticums.

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