Romantik

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Die Literaturepoche der Romantik reicht vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts und hat sich als Gegenbewegung zum reinen Vernunftdenken der Aufklärung und ihrer Ausläufer entwickelt. Das Wort "romantisch" hatte zu dieser Zeit noch die Bedeutung von "romanhaft, poetisch, unnatürlich, phantastisch". Erst im Laufe der Epoche wurde unter "romantisch" "fantasievoll oder schwärmerisch" verstanden.

Inhaltsverzeichnis

Abgrenzung von den angrenzenden Epochen

Die Epoche der Romantik bildet eine Gegenbewegung zu den Ideen der Aufklärung und des Rationalismus, dass der Geist und die vernünftige Überlegung eine übergeordnete Rolle spielen. Auch das präzise Abbilden der Wirklichkeit und der Natur wurde in der Romantik abgelehnt. Vielmehr sollte der Künstler die Wirklichkeit mit Hilfe seiner eigenen Kreativität neu erfinden und seine eigene Wirklichkeit schaffen. Durch den Grundgedanken, dass der künstlerisch-kreative Prozess nie vollständig beendet sei, grenzte sich die Romantik von der perfektionistischen Idee des Biedermeiers ab.

Strömungen

Frühromantik (1795-1804)

Die Zentren der Frühromantik waren die Städte Jena und Berlin, wo Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, die Brüder Schlegel, Novalis und Ludwig Tick die Anfänge der Romantik als Gegenpol zur Aufklärung, zum Sturm und Drang und zur Klassik bildeten. Es entstanden romantische Kunstauffassungen wie die Romantisierung der Welt von Novalis und die Progressive Universalpoesie von Friedrich Schlegel.

Hochromantik (1804-1814)

Im Laufe der Hochromantik verlagerten sich die Zentren der Kunst auf Heidelberg und Berlin. Das Ziel der Kunst lag nun vielmehr in dem Schaffen eines Zufluchtsortes um der Gegenwart zu entkommen. Die Hauptvertreter dieser Zeitströmung waren der Universalkünstler Clemens Brentano, Achim und Bettina von Arnim, Joseph Görres und die Brüder Grimm.

Spätromantik (1815-1835)

Als neue Zentren der Spätromantik bildeten sich Dresden, Schwaben, München und Wien. Vertreter wie E.T.A. Hoffmann gelten bereits teilweise wieder als Neuauffassung der Romantik, da dieser sich von der völligen Loslösung der Phantasiewelt abwandte und eher versuchte die Idee einer Parallelwelt zu etablieren, was sich in Hoffmanns "Himmelsleiterprinzip" wiederfindet. Weitere Vertreter der Romantik sind Joseph von Eichendorf, Adalbert von Chamisso und Friedrich de la Motte Fouquè.

Historischer Kontext

Der Flucht aus der Gegenwart in eine Phantasiewelt, die die Romantik elementar prägte, liegen mehrere Kriege zu Grunde. Die Napoleonischen Kriege von 1792 bis 1806 und die anschließenden Befreiungskriege sorgten für eine Sehnsucht nach Harmonie und Frieden und die Befreiungskriege besonders auch für die Kritik am spießbürgerlichen Leben, das als Philistertum seine Ablehnung bei den Künstlern der Romantik findet. Der enttäuschende Wiener Kongress (1815) der lediglich die Gründung des Deutschen Bundes als lockere Verbindung der 34 Einzelstaaten zur Folge hatte, minderte das Gefühl eines fehlenden Nationalgefüges und die damit verbundene Sehnsucht nach einer Einheit nicht. Als Folge stand der Rückzug in eine phantastische eigene Wirklichkeit.

Motivik, Inhalte, Themen

Die Romantik stellt eine konsequente Ablehnung der modernen Zivilisation dar, die von der Hinwendung zur inneren Natur und dem inneren Wesen des Menschen und bereits vergangenen Epochen abgelöst wird. Im Zentrum steht häufig das Mittelalter als Ideal, aufgrund der Einheit Deutschlands und der Gesellschaft, die als positiv erinnert wird. Neben der bereits genannten Kritik am spießbürgerlichen Leben und der Ablehnung des Philistertums, mit dem eine Gesellschaft verbunden wurde, die sich strikt an Normen, Vorgaben und Traditionen hält und jederzeit versucht einen ordentlichen, rechtmäßigen Schein zu wahren und an diesem auch festhält und nicht in der Lage ist in eine realitätsferne Phantasiewelt zu entgleiten oder zu träumen, und der Sehnsucht nach Harmonie, steht die Romantik für die Vereinigung von Gefühl und Vernunft. Die Natur beispielsweise soll nicht nur exakt nachgeahmt, sondern durch Gefühl und Kunst, sowie eine eigene Auffassung idealisiert werden. Eine Regelpoetik wird daher, aufgrund auch der Autonomie des Künstlers und des Strebens nach der ganzheitlichen Poetisierung des Lebens, abgelehnt. Eine Betonung des Gefühls, des Unterbewussten und auch des Subjektiven steht im Vordergrund.

Das fehlende Nationalgefüge und die damit verbundene Sehnsucht nach einer Einheit führte zu einer gehäuften Aufnahme volkstümlicher, nationaler Elemente wie Volksliedern, Märchen oder Sagen, was zur Identifikation als Nation beitragen sollte. Es bildete sich eine neue Gattung des Kunstmärchens heraus, dass auf literarisch anspruchsvoller Ebene Elemente des Volksmärchens aufgreift. Auch Schlegels Prinzip der progressiven Universalpoesie, nach dem sämtliche Gattungen der Poesie in dem Werk vereint werden sollen oder die gehäufte Zahl von Universalkünstlern wie E.T.A. Hoffmann, die nicht nur schrieben sondern auch malten und komponierten rühren von dem Wunsch nach einer Einheit.

Als Symbol der Vollkommenheit und der Natürlichkeit gilt auch die Kindheit und das Kind als vollkommenes Wesen, da es unvorbelastet die ursprünglichen Wesenszüge des Menschen zeigt und für die Romantiker als Sinnbild des Ursprungs steht. Dieser Aspekt findet sich sowohl in dem Motiv der kindlichen Reinheit, als auch der angestrebten Urpoesie als vollkommenste Poesie.

Geprägt ist die Literatur der Romantik ebenso wie die Bildende Kunst und die Musik von der Idee des Fragmentarischen, des Unfertigen und des Ruinenhaften, was dem Leser, Hörer oder Betrachter Raum für Assoziationen lässt.

Ebenso elementar ist das Sehnsuchtsmotiv der Romantik. In allen Bereichen der Kunst zeigt sich Sehnsucht nach dem Unerreichbaren, dem Unendlichen, nach Ferne oder die Sehnsucht nach dem eigenen persönlichen Glück. Gesteigert wird diese Sehnsuchtsmotivik zum Teil bis zur Todessehnsucht.

Verknüpft mit dem Sehnsuchtsmotiv und der Naturverbundenheit ist die Motivik des Wanderns. Die Romantik ist geprägt durch eine Liebe zur Wanderschaft, die als Ausbruch aus der häuslichen enge des spießbürgerlichen Lebens gesehen werden kann und die Sehnsucht nach Weite, Freiheit und dem Unbekannten zu erfüllen versucht.

Auch die Nacht und der Mond sind beliebte Symbole der Romantik, die die Grundstimmung der Romantik wiedergeben. Während die Künstler und Protagonisten des Sturm und Drang vor Tatendrang "strotzen" und es tendenziell eher heller wird, ziehen sich die Romantiker immer weiter in ihre Traumwelt zurück und es wird "dunkler". Die Nacht gilt als geheimnisvoll, aber auch befreiend. Der Mondschein verleiht allem zusätzlich einen magischen Schimmer und gibt das Gefühl der Unbestimmtheit und Ungewissheit und der Verlorenheit des Menschen in den Weiten der Natur.

Verbunden mit dem Rückzug in eine Phantasiewelt und dem Schaffen einer eigenen Wirklichkeit steht auch der Rückzug in die Innerlichkeit. Als Vorraussetzung für die Kunst der Romantik gilt eine tiefe Innerlichkeit und das Herz als Ausdruck des Inneren das nicht allein durch Verstand geschaffen werden kann. Die Kunst soll vollständig aus dem Inneren kommen.

Im Zuge dieser Inhalte und Themen steht neben der fragmentarischen Motivik unter anderem die Ablehnung von klaren Formen und scharfen Konturen, wie zum Beispiel vorgegebenen Gedichtschemata, der Wusch nach Schlichtheit, vollkommener Harmonie und Abbildungen von Seelen- und Naturbildern und -idyllen.

Autoren und Werke

Literatur

  • Friedrich Schlegel
  • Novalis: Heinrich von Ofterdingen
  • Ludwig Tick: Trauer
  • Clemens Brentano: Spinnerin Nachtlied
  • Bettina von Arnim: Das Abendrot am Strand hinzieht
  • E.T.A. Hoffmann: Der goldene Topf, Der Sandmann, Fräulein von Scuderi
  • Joseph von Eichendorff: Mondnacht, Sehnsucht
  • Karoline von Günderrode

Bildende Kunst

  • Caspar David Friedrich: Abtei im Eichwald

Musik

  • Franz Schubert: Winterreise, Schöne Müllerin, Dichterliebe
  • Robert Schuhmann: Vertonungen von romantischer Lyrik (Mondnacht)

Frauen in der Romantik

Zu den Zielen der Frühromantik gehörte bereits die Emanzipation der Frau. Viele der Frauen von Lyrikern und Schriftstellern begannen in der Romantik eigene Werke zu veröffentlichen und trugen mit ihrem Streben die freie Liebe zu normalisieren zur Entwicklung der Romantik bei. In Karoline von Günderrodes Gedichten zeigt sich beispielsweise immer wieder deutlich die Trauer und der Schmerz, der aus ihrer unglücklichen Heirat und der parallelen Affäre hervorging und sie zuletzt auch zum Selbstmord brachte.

In den Literaturzirkeln der Zeit wurden die schreibenden Frauen mehr und mehr integriert, bis sie aufgrund ihrer Bildung, ihrem vielleicht doch als weiblich anderem Geist in manchen Fragen und nicht zuletzt auch aufgrund ihrer erotischen Anziehungskraft zum Teil zum Mittelpunkt des geselligen Schriftstellerlebens wurden. Oft übertrug sich der Freundschaftskult der Romantik auch auf das häusliche Leben und viele Schriftsteller der Romantik arbeiteten mit ihren Ehefrauen gemeinsam, was zur Erstarkung der schreibenden Frauen führte.

In der Romantik war auch die Vernetzung zwischen den Autoren ausgesprochen groß, so wurde zum Beispiel Clemens Brentanos Schwester Bettina Brentano die Ehefrau von Achim von Arnim. Diese Verbindungen könnten auch zur Erstarkung der Frauen im Bezug auf die Dichtung während der Romantik geführt haben oder diese zumindest unterstützt haben.

Obwohl die Epoche als emanzipatorisch für die Frauen in der Dichtkunst gesehen werden kann muss eingegrenzt werden, dass dies nicht immer der Fall war und längst noch keine absolute dichterische Freiheit den Frauen zugestanden wurde. Clemens Brentanos Frau Sophie Mereau beispielsweise, die vor der Vermählung bereits Werke anonym und unter ihrem Namen veröffentlicht hatte bekam von ihrem Mann, selbst ein bedeutender Schriftsteller der Zeit, das Verbot ausgesprochen zu schreiben und wurde gezwungen auf ihre erkämpfte Selbstständigkeit wieder zu verzichten.

Schreibende Frauen in der Romantik

  • Caroline Böhmer (Frau von August Wilhelm Schlegel)
  • Dorothea Veit (Frau von Friedrich Schlegel)
  • Sophie Mereau
  • Karoline von Günderrode
  • Bettina von Arnim
  • Sophie Tieck
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