Sesenheimer Lieder

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Bei den Sesenheimer Liedern handelt es sich um eine Sammlung von 12 Gedichten, die Johann Wolfgang von Goethe (28.8.1749 – 22.3.1832) in der Zeit des Sturm und Drang (1767 – 1785) verfasste und welche zu den ersten seiner wirklich großen Gedichten zählen.

In diesen richtet er sein Hauptaugenmerk auf den Ausdruck seiner Liebe zu der Pfarrerstochter Friederike Brion (19.4.1752 – 3.4.1813), die er in Sesenheim (Frankreich) kennen lernt und mit der er 1,5 Jahre lang eine feste Beziehung pflegt.

Goethes Gedichte dieser Zeit sind geprägt von der Liebe, einerseits zu Friederike Brion, aber andererseits auch zu der Natur, mit der sich Goethe stets sehr verbunden fühlte. Diese beiden Gefühlsebenen der Liebe versucht Goethe in seinen Gedichten durch meist sehr detailreiche Naturbeschreibungen zu verbinden und seinen Gefühlen durch die Beschreibung von extremen Naturereignissen Ausdruck zu verleihen. So wundert es einen nicht, dass man in diesen Gedichten häufig bedrohlich und aufwühlend wirkende Naturphänomene wiederfindet, in denen sich die Gefühlswelt des jungen Goethe widerspiegelt.

Inhaltsverzeichnis

Analyse des Gedichts „Willkommen und Abschied“

Das Gedicht

Willkommen und Abschied
von Johann Wolfgang von Goethe

Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan, fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stund im Nebelkleid die Eiche,
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von seinem Wolkenhügel
Schien kläglich aus dem Duft hervor;
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer -
Doch frisch und fröhlich war mein Mut;
In meinen Adern, welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude
Floss von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz an deiner Seite,
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbes Frühlings Wetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich, ihr Götter!
Ich hofft' es, ich verdient' es nicht.

Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne,
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden
Und sahst mir nach mit nassem Blick.
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

Analyse

In dem Gedicht „Willkommen und Abschied“, welches von Johann Wolfgang von Goethe verfasst wurde, beschreibt das lyrische Ich die Probleme, die es offenbar hinsichtlich der Trennung von seiner Liebsten, zu überwinden hat und geht dabei auf die in ihm auftauchenden Gefühle ein. Das Gedicht besteht aus 4 Strophen zu je 8 Versen, welche alle in einem 4 – hebigen Jambus verfasst sind.

In der ersten Strophe beschreibt das lyrische Ich erst einmal die Umgebung und man erfährt, dass es scheinbar recht schnell reisend unterwegs ist „[...]geschwind zu Pferde!“ (Vers 1). Dadurch gewinnt das gesamte Geschehen Dynamik und man fragt sich, was das lyrische Ich so schnell reiten lässt.

Auch in der zweiten Strophe geht das lyrische Ich auf die Landschaft, durch die es reitet, ein, und schafft eine leicht gespenstische Atmosphäre durch die Beschreibung von Eindrücken, die es während seines Ritts verspürt. „Die Winde schwangen leise Flügel, umsausten schauerlich mein Ohr; Die Nacht schuf tausend Ungeheuer“ (Vers 11 – 13). Durch diese Vorstellungen des lyrischen Ichs wird deutlich, dass es sich scheinbar vor dem bevorstehenden Treffen mit seiner Geliebten ein wenig fürchtet, sei es weil sie dies heimlich tun müssen oder aus einem anderen Grund. „Wo Finsternis aus dem Gesträuche mit hundert schwarzen Augen sah“ (Vers 7,8). Dieser Vers zeigt die Angst des lyrischen Ichs vor der Nacht. Dennoch reitet das lyrische Ich weiter in Richtung seiner Geliebten, woraus sich schließen lässt, dass die Vorfreude auf das Treffen mit ihr stärker ist, als die Angst vor den Gefahren der dunklen Nacht. „Doch frisch und fröhlich war mein Mut“ (Vers 14). Diese Vorfreude und auch Leidenschaft, die das lyrische Ich während seiner Reise verspürt, wird noch einmal verstärkt durch die letzten beiden Verse der zweiten Strophe: „In meinen Adern, welches Feuer! In meinem Herzen welche Glut!“ (Vers 15,16). Diese Glut und das Feuer, dass das lyrische Ich angeblich in sich spürt, zeigen, wie sehr es sich nach dem Treffen seiner Geliebten sehnt.

In der dritten Strophe wird schließlich das Treffen des lyrischen Ichs mit seiner Geliebten beschrieben, wobei es in dieser Strophe auffälliger Weise überhaupt keine negativen Gefühle, wie in den beiden vorangegangenen Strophen zu finden gibt. Die Freude über das lang ersehnte Wiedersehen mit der Geliebten lässt all die vorherigen Zweifel verschwinden und das lyrische Ich ist vollkommen auf das momentan stattfindende Treffen mit seiner Geliebten fixiert. Diese positiven Gefühle spiegeln sich, wie auch schon in den vorherigen Strophen, in der Beschreibung der Natur wieder. Plötzlich ist die Finsternis, von der zuvor stets die Rede war, verschwunden und auch all die anderen schaurig wirkenden Naturphänomene (Nebel und die Nacht an sich) scheinen vergessen, angesichts der Begegnung der beiden sich liebenden Menschen.

Die in dieser Strophe beschriebenen Wetterverhältnisse scheinen geradezu freundlich. „Ein rosenfarbes Frühlings Wetter“ (Vers 21). Darüber hinaus bekommt man einen noch tieferen Einblick in die Gefühlswelt des lyrischen Ichs, das von seinen inneren Empfindungen berichtet. „Ganz war mein Herz an deiner Seite, Und jeder Atemzug für dich“ (Vers 19,20). Das lyrische Ich scheint geradezu überwältigt von der Schönheit dieser Frau, die es dort getroffen hat. „Umgab das liebliche Gesicht“ (Vers 22). Es ist förmlich fassungslos, dass es die Person sein darf, der es erlaubt ist dieser schönen Frau gegenüber zu stehen und gerät somit in eine stark ausschweifende Schwärmerei. Das lyrische Ich wird sogar so euphorisch, dass es den Göttern für diese Gelegenheit dankt, die ihm gegeben wurde, bei der es ihm möglich war eine so schöne Erfahrung machen zu dürfen, in dem es diese Frau getroffen hat. „Und Zärtlichkeit für mich, ihr Götter! Ich hofft' es, ich verdient' es nicht“ (Vers 23,24). Dies zeigt, wie wichtig dem lyrischen Ich diese Begegnung offenbar sein muss.

In der dritten Strophe wird bereits im ersten Vers auf den Ausgang der Handlung und das Ende des Gedichts hingedeutet, indem das Ende er Nacht angekündigt wird. „Doch ach, schon mit der Morgensonne Verengt der Abschied mir das Herz:“ (Vers 25,26). Dies zeigt den Abschied, der in diesem Gedicht eine tragende Rolle spielt. Sowohl Ihr, als auch Ihm, scheint dieser Ausgang der Handlung sehr schwer zu fallen. Beim lyrischen Ich verengt sich, wie schon erwähnt, das Herz (vgl. Vers 25f.)

Ihre Trauer wird durch den erkennbaren Schmerz in ihren Augen ausgedrückt (vgl. Vers 28). In dem Moment, in dem das lyrische Ich seine Geliebte wieder verlässt, bleibt sie weinend zurück. Und obwohl das lyrische Ich seine Geliebte so traurig dort stehen sieht, weißt es auf das positive dieser Begegnung hin, indem es daran erinnert, dass es gut ist geliebt zu werden, trotz des auftretenden Liebeskummers. „Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!“ (Vers 31). Es dankt am Ende sogar noch den Göttern für die Möglichkeit die Liebe so zu erfahren und ist so gesehen glücklich über das Geschehene. „Und lieben, Götter, welche ein Glück!“ (Vers 32). Auffällig ist hier am Ende, dass trotz des traurigen Inhalts eine positive Wirkung zurückbleibt, dadurch, dass sich das lyrische Ich noch bei den Göttern für die Liebe bedankt.

Bezug zum „jungen Goethe“

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